2017: Abreisegedanken

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In einer kleinen Nebenstraße in Chiang Mai, Thailand stellte ich im Juli fest, dass 2017 das Jahr des Hahns ist – ebenso wie es mein Geburtsjahr war. Ich glaube nicht an Horoskope und Sternzeichen, aber gefreut habe ich mich über diese Entdeckung trotzdem, bestätigte sie doch, was ich schon wusste: dass dieses Jahr das perfekte Timing für mein großes Abenteuer war.

Bei meiner Reise ging es mir nicht darum, etwas zurückzulassen oder irgendetwas oder gar mich selbst zu finden (wie ich so oft gefragt wurde). Gelernt habe ich trotzdem viel, auch über mich, um am Ende dieses großartigen Jahres beruhigt festzustellen, dass ich noch immer ich bin. Ich denke, ich bin so weit gereist, um am Ende der Reise wieder nach Hause zu kommen.

Meine Erinnerungen an meine Lieben begleiteten mich einmal rings um die Welt und wieder zurück. Bis zuletzt hatte ich Angst, dass ich einen Preis für meine Reise, für die Verwirklichung meiner Träume, für all mein egoistisches Glück zahlen muss. Erst nachdem alle meine Herzensmenschen mich Zuhause erwarteten, niemand mich verlassen hatte, ich sie alle wieder in die Arme nehmen konnte, fing ich langsam an zu glauben, was ich inzwischen ahnte: Ich darf.

Unterwegs habe ich die absolute Freiheit entdeckt und die Unerpressbarkeit. Jederzeit hätte ich weiterreisen können, oder auch nach Hause zurückkehren. In jedem Land, in jeder Stadt hätte ich mich neu erfinden können, ein neues Ich, ein neues Leben beginnen können. Die Möglichkeit war mir bewusst und zugleich wusste ich, dass ich das gar nicht wollte. Was ich bin ist genug. Und ich bin sehr froh, dass ich mich auf meiner großen Reise dabei hatte.

Aber ich habe verstanden, dass ein ganz andere Leben möglich ist, wenn ich es will. Ich kann aus allen Möglichkeiten dieser Welt frei wählen. Aber ich will nicht alles. Ich will ein gutes Leben mit Heimat und Alltag und Abenteuer. Ich brauche keinen Reichtum, kein Jetset-Leben, keinen internationalen Bullshit-Job mit schickem Titel, der mich Lebenzeit kostet und mich nicht glücklich macht. Das Glück wohnt in mir.

Die Welt ist kleiner geworden, seitdem ich einmal um sie herumgeflogen bin und gleichzeitig so viel größer. Während meiner Reise habe ich die Vorstellung abgelegt, dass es einen Ort auf der Welt gibt, den ich nicht erreichen kann. Die größte Hilfe und das größte Geschenk hierbei war mein Ausflug zu den Buckelwalen in Tonga. Der schien mir vorher fast unmöglich, weil Tonga so weit weg ist, so unwahrscheinlich, so unerreichbar. Was ist wohl sonst noch alles möglich, was ich eigentlich für unmöglich gehalten habe?

In Tonga habe ich auch begriffen, dass es Menschen gibt, die so etwas Wunderbares wie die Begegnung mit Walen jeden Tag erleben können, wenn sie wollen. Für die dieses Wunder alltäglich ist. Und dass es dadurch seine Wundersamkeit einbüßen kann. Welche Wunder liegen direkt vor mir, die für mich Alltag geworden sind?

Ich entdeckte, dass überall Schönheit für uns bereitliegt. Sie wartet nicht auf uns, sondern ist einfach da. Meine Mitreisenden von Santiago nach Calama haben den Sonnenaufgang über den Anden nicht gesehen, der mich so glücklich machte, weil sie die Verdunkelung heruntergezogen hatten, um zu arbeiten, Film zu schauen oder zu schlafen. Wunder finden einfach statt. Es ist ihnen egal, ob wir sie bewundern.

Spätestens in Südamerika habe ich begriffen, dass wir Westler nicht das Kultur-Monopol haben, auch wenn wir den Kapitalismus und unseren Materialismus fleißig verbreiten und damit so viel kaputtmachen. Durch unsere ach-so-moderne Lebensweise ist uns der Bezug zur Natur und damit zu unserem Kern abhanden gekommen. Andere Völker sind so viel schlauer geblieben als wir. Es gibt noch viel zu lernen und wiederzuentdecken.

Meine Welt ist nicht nur kleiner und bunter geworden in diesem Jahr, sondern auch so viel freundlicher. Zum grundsätzlichen Misstrauen erzogen, habe ich in der Welt gelernt, dass Menschen viel hilfsbereiter, freundlicher, offener sind, als ich das erwartet hätte. Auch ist die Erde ein verdammt guter Ort – und sie braucht meine Hilfe! Wie viel ich ändern und bewegen kann, wenn ich mich und meine Gewohnheiten ändere, auch das habe ich in diesem Jahr begriffen.

2017 war mein Jahr. So wie jedes der vergangenen 36 es ebenfalls war. Und so wie jedes weitere es sein wird und wie jeder neue Tag meiner ist. Das ist mein Leben, keine Generalprobe. Und es ist ein verdammt gutes.

2 Responses

  1. Griesi

    Ich sollte eigentlich viel öfter bei dir Likes da lasen oder wenigstens kommentieren, denn ich lese Deine Beiträge sehr gerne.

    • die abenteuerliche

      Danke, lieber Griesgram. Das finde ich auch und ich freue mich über deine guten Vorsätze für 2018 😉

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