Tonga: Angekommen am Ende der Welt

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Das mit Tonga und mir begann nicht so optimal: Schon im Flugzeug war ich die Einzige, für die es kein Einreiseformular mehr gab; fast so, als wollte Tonga ausgerechnet mich gar nicht haben. Und dabei hatte ich mich doch so, so auf meine Tage hier gefreut und eigentlich meine ganze Reise nur um dieses erwartete Highlight herumgebastelt. Eine echte Weltreisende lässt sich so schnell nicht ins Boxhorn jagen.

Endlich erfolgreich eingereist, wurden wir am Gepäckband auch von einer Band und kurz danach von einer kostenlosen SIM-Karte mit Datenvolumen empfangen. Na also. Der gebuchte Fahrer hingegen empfing uns nicht. Kann ja mal passieren. Hakuna Matata. Warten wir eben ein bisschen. Und notfalls fahren wir einfach mit einem Taxi. Aber erstmal warten. Irgendwann – wir waren inzwischen die einzigen Passagiere und auch sonst fast die einzige Menschen an dem kleinen Terminal – sprach uns ein Polizist an. Na, das mit dem Taxi könnten wir mal glatt vergessen. Jaha, hatten wir uns inzwischen auch schon gedacht. Es sei eine 40-minütige Fahrt in die Stadt und die wenigen Taxen Tongas seien alle weg. Ein Bus … Also bitte, das hier ist Tonga! Er gab uns aber sein Handy, so dass wir beim Hotel anrufen konnten. Tja, alles sehr kompliziert: Der Fahrer sei da gewesen und hätte uns nicht gefunden und sei jetzt mit jemand anderem auf dem Weg zur Stadt, würde aber dann wiederkommen, um uns abzuholen. Also warteten wir.

Der Polizist setzte sich gemütlich mit zu uns auf die Bank und erzählte uns vom Leben auf Tonga. Leider kam er schnell auf Politik und dazu, dass es früher zu leicht gewesen sei, einen tongaischen Pass zu kaufen und so käme jetzt allerlei Gesindel nach Tonga. Neulich habe man hier einen Container mit unfassbaren Mengen Drogen gefunden und Drogen seien sowieso ein großes Problem. Das käme alles von diesen Ausländern. Er erzählte, dass man hier stolz darauf sei, keine Muslime im Königreich zu haben. Da hakte ich natürlich nach. Nein, sagte er, Muslime möge man hier nicht. Und wenn dann doch mal einer auf die Idee käme, hier eine Moschee zu bauen, dann wäre die auch ganz schnell niedergebrannt. Gar nicht schade, dass dann endlich unser Auto kam, bevor ich an meiner Galle erstickte.

Der Fahrer diskutierte noch mit mir rum, da von mir in seinem Abholschein nicht die Rede war, aber endlich waren wir doch unterwegs in Richtung Stadt. Und ich schon fast wieder in Plauderlaune und so erfuhr ich auch noch ein paar wirklich interessante Dinge über Tonga. Dass hier sonntags alle zur Kirche gehen, dass die Wesleyanische Kirche am stärksten ist, dass wir unbedingt zu Cooks Landeplatz müssten und dass man auf Tonga gerne Fussball spielt. Als ich an meinem Hotel abgesetzt wurde, war es schon dunkel und die Hotelbesitzerin bot mir an, mich zu meiner abendlichen Verabredung in die Innenstadt zu fahren. Laufen ist in Tonga nämlich ganz uncool. Wenig später trafen wir uns also in einer von gefühlt zwei Bars in der Hauptstadt zum sehr leckeren Essen. Leider war die Kaffeemaschine kaputt und wurde während unseres gesamten Aufenthalts auch nicht mehr repariert, aber stattdessen gab es immerhin Bier. Prost, Tonga.

Der nächste Tag war ein Sonntag und wir hatten uns zum Kirchgang verabredet. Das Frühstück in meinem Hotel bestand aus schlechtem Kaffee, Weetabix (grauer, geschmackloser Matsch, den ich noch nie mochte und der im Mund immer mehr wird) und Toast mit Vegemite (ja, immer noch unerträglich scheußlich). Mit drei trockenen Scheiben Toast im Bauch machte ich mich also gutgelaunt auf den Weg zum englischsprachigen Gottesdienst. Nach meinem anfänglichen Enthusiasmus, weil wir so nett begrüßt wurden und ich mich in den Liedern zuhause fühlte, musste ich mich aber doch noch über die evangelikale Heile-Welt-Predigt aufregen. War ich wenigstens wieder geerdet.

Nach all dem Singen, Schunkeln und Zuhören hatten wir Hunger. Und fanden kein Restaurant, das geöffnet hatte. Sonntags hat hier nämlich einfach alles geschlossen, auch die Hotelrestaurants, Kioske und Miniläden. Sonntags fährt hier auch kein Bus, kein Taxi und man kann kein Auto mieten. Warum sollte also eine Tankstelle geöffnet sein? Und die Sonne legte auch einen Ruhetag ein. Es regnete variantenreich, während wir an der menschenleeren Straße am Meer entlang zum Hafen schlenderten. Dort entdeckten wir dann zu unserer großen Freude tatsächlich eine kleine Fischbude, die geöffnet hatte. Im Inneren entpuppte sie sich als ganz manierliches Restaurant und wir waren nicht gewillt, den Laden sehr bald wieder zu verlassen.

Leider war auch dort der Kaffee scheußlich, aber wir wollen mal nicht meckern, wenn wir sonntags auf Tonga immerhin eine ordentliche Cola bekommen. Endlich satt schlenderten wir zurück zum verlassenen Zentrum und sahen uns schon einmal die Touri-Information, den Autoverleiher und den Buch-und-alles-andere-auch-Laden der Insel von außen an. Fast verzweifelt um Unterhaltung bemüht, sahen wir uns auch noch den Königspalast und das königliche Grabmal von Ferne an und lauschten in einer Kirche mit mehreren Regentropflöchern im Dach einer Chorprobe. Mehr fiel uns dann nicht mehr ein.

Für abends war uns das allsonntägliche Kirchenliedersingen im Zentrum als kulturelles Highlight angepriesen worden. Da es am späten Nachmittag aber immer noch regnete und wir nicht so genau verstanden hatte, wo das sein sollte, beschlossen wir, den Rest dieses aufregenden Tages zu nutzen, um viel Schlaf und Erholung zu tanken. Gestresst muss man auf Tonga nämlich wirklich nicht sein.

PS: Zwei Tage später fanden wir noch heraus, dass es sonntags eine einzige Fähre zu einem Resort auf einer der vorgelagerten Inseln gibt, auf der man dann ebenfalls Essen und Trinken bekommt. Aber hätten wir das früher gewusst, wäre uns das wahre sonntägliche Tonga wohl verborgen geblieben.

2 Responses

  1. Nicki

    Wow – Tonga ist ja echt … Gechillt? Eine eigene Welt? Weit ab vom Schuss?
    Auf jeden Fall was ganz eigenes.
    Und Zugang zu den Buckelwalen!! Plus Plus Plus!!! 😉

    • die abenteuerliche

      Jaha, Tonga ist echt ab vom Schuss und seeehr tiefenentspannt …

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