Bali: 100 Stufen Grün

Bali: 100 Stufen Grün

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Auf Bali hatte ich eigentlich gar keinen Bock mehr gehabt. Ich glaubte, durch zu sein mit Südostasien, hatte keinen Plan, was man auf Bali wohl so wollen könnte, wollte mal wieder Badezimmer mit Waschbecken und war auf Weiterreise, Vorwärtskommen eingestellt. In Australien hatte ich wenigstens etwas vor, hatte Ziele und wusste, was ich dort wollte. Ich hatte keine Lust mehr auf Planung, auf Unbekanntes, auf freien Fall ins Ungewisse, kurzum: Ich war reisemüde.

Hätte die Kommunikation mit meinem Reisebüro in Deutschland, das ich für all meine anstehenden Weiterflüge und den Sprachkurs erstmalig kontaktierte, schneller und reibungsloser funktioniert, wäre ich nach zwei, spätestens vier Nächten wieder weg gewesen aus Bali. Und dann passierte Bali.

Das erste Außergewöhnliche, was mir an Bali auffiel, als der Bus die Fähre aus Java verlassen hatte, waren die vielen Drachen am blauen Himmel. Besonders am Spätnachmittag waren unzählige Drachen zu sehen, die durch die Luft flatterten. Und was mir auch sofort auffiel: Bali ist nicht Indonesien.

Indonesien ist das größte muslimische Land der Welt. Auf Bali hingegen bekennen sich 90% der Einwohner zum Hinduismus. Die Insel wird aus als „Insel der Tausend Tempel“ bezeichnet. Und den Grund dafür sah ich schnell: Zusätzlich zu den großen Tempeln, hat jedes Haus einen eigenen Tempel.

Ich fuhr direkt nach Ubud, eigentlich nur, weil ich dort die Krankenstation aufsuchen wollte, aber ich blieb über eine Woche, in den Bann gezogen von dem guten Essen, der Ruhe meines Guest Houses mitten im Trubel, den Möglichkeiten, den Menschen. Ich ging Fahrradfahren, erkundete mit einem Motorrad den Osten der Insel, wanderte zwischen Reisterrassen* umher, besichtigte Wassertempel*, spazierte dort übers Wasser, fuhr durch dichte Wälder und über nebelige Gebirgspässe, schaute den Drachen beim Flattern zu und saß am Meer. Abends lachte ich am liebsten mit meinen neuen katalonischen Lieblingsmenschen bei gutem Essen oder machte neue Zufallsbekanntschaften.

Nichts vorzuhaben, nichts zu erwarten ist das Beste was einem auf dieser Insel passieren kann, denn dann passiert einfach Bali.

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* Einige der Reisterrassen gehören zusammen mit einem der Wassertempel wegen ihres ausgeklügelten Wassernetzes und ihrer kulturellen Bedeutung zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Eine Antwort

  1. Bali sieht sehr zum Verlieben aus…

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