Der Gauß-Weber-Laser an der Sternwarte Göttingen

Nächtliche Geheimbotschaften am Himmel über Göttingen 

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„die flaeche unter der gaussglocke ist eins“ Das war die erste Nachricht, die der Gauß-Weber-Lasertelegraph im September 2014 für mich über die Dächer Göttingens schickte. Na gut, in Wahrheit blitzte er das nicht nur für mich, sondern für jeden, der den Code für die kurzen und langen Lichtsignal kennt; aber ich hatte mich an diesem Abend zum ersten Mal aufgemacht, die Botschaft zu knacken.

Vorher hatte ich mich schon öfters gefragt, was diese grünen Laserstrahlen sollen, die jeden Abend nach Sonnenuntergang über den Göttinger Himmel zucken. Seit Kurzem wußte ich: In den grünen Blitzen sind Botschaften versteckt.

Der Laser erinnert an den allerersten elektromagnetischen Telegraphen der Welt, den Carl Friedrich Gauß und Wilhelm Weber hier in Göttingen 1833 in Betrieb nahmen. Sie spannten heimlich eine Drahtleitung von der Sternwarte, wo Gauß vor den Toren der Stadt lebte, bis zu Webers Studierzimmer in die Innenstadt, um Botschaften in Form von elektromagnetischen Impulsen über den Draht zu schicken. Die Geburtsstunde unserer modernen Telekommunikation!

Unglaublicher Weise waren Gauß und Weber aber nicht an der Vermarktung ihrer revolutionären Kommunikationsform interessiert, da sie für die beiden Wissenschaftler wohl eher ein Abfallprodukt ihrer eigentlichen Forschung zum Erdmagnetismus war. Eine Spielerei. Erst knapp vier Jahre später wurde im Umfeld von Samuel Morse mit dem Vorläufer unserer heutigen Morsezeichen experimentiert.

Die ursprüngliche Version der Gauß-Weber-Telegraphenleitung war übrigens ziemlich instabil: Vögel und Wind führten immer wieder zu Drahtbruch auf der 1,2 km langen Strecke. Ein paar Wochen nach ihrem ersten erfolgreichen Versuch ließen sich Gauß und Weber die Leitung offiziell genehmigen und stiegen auf eine stabilerer Version um, die bis zu einem Blitzeinschlag im Jahre 1845 über den Dächern der Stadt hing.

Um an diese Telegraphenleitung zu erinnern, installierte der Verband lokaler Messtechnikunternehmen 2007 den grünen Laser in Göttingen, der seitdem jeden Abend durch eine Abfolge von kurzen und langen Signalen eine verschlüsselte Botschaft sendet. Wer allerdings versucht, diese Botschaft mit dem bekannten Morsecode zu entschlüsseln, wird kläglich im Code-Salat scheitern: Man benötigt natürlich den von Gauß und Weber benutzen Schlüssel.

Der Gauß-Weber-Code
Der Gauß-Weber-Code: + steht für kurze, – für lange Impulse

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Die Nachricht beginnt jeden Abend zur übernächsten vollen Stunde nach Sonnenuntergang und wiederholt sich zwei Stunden lang. Einen Monat lang wird dieselbe Botschaft geschickt und an jedem Ersten des nachfolgenden Monats aufgelöst. Die genauen Anfangszeiten für jeden Monat und mehr Details findet man auf der Webseite des Measurement Valleys.

Allen Audio-Fans lege ich das Göttinger Hörspiel „Der Gauß Code“ ans Herz, das in einem Uniprojekt entstand. Es erzählt die abenteuerliche Geschichte von Pia, die auch nur mal kurz die Laserbotschaft entschlüsseln wollte und dann um ihr Leben fürchten muss. Sehr unterhaltsam!

Vielen Dank an Kai Pätzke für die abendliche Guerilla-Fotosession – und das Titelfoto!

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