Wandertag im Bergnebelwald von Ecuador – #12von12

Eingetragen bei: Amerika, Ecuador | 2

Am wichtigsten für einen gelungenen Start in einen Bergnebelwaldtag ist es, sich morgens lange vor dem Weckerklingeln von den Vögeln wecken zu lassen. Wenn man dann eh schon wach ist, kann man auch gleich auf den Balkon gehen und ihnen bei ihrem Morgentanz zusehen. Für so einen Start hatten wir uns den perfekten Ort ausgesucht: Die Pension lag etwas außerhalb des ecuadorianischen Städtchens Mindo in einem großen Holzhaus und hatte einen großen, vogelfreundlichen Garten. Vom Balkon aus schauten wir außerdem auf dunkelgrüne Berge, deren Gipfel wie abgeschnitten in dichten Nebelwolken steckten.

So ist das nämlich in einem Bergnebelwald: Tagsüber hängen meist dichte weiße Wolken so tief am Himmel, dass die Berge nur halb zu sehen sind. Es regnet selten so richtig, aber am späten Nachmittag senken sich die Wolken langsam hinab und hüllen das Tal in einen feinen Staubregen. Es fisselt, würde die Nordhessin dazu sagen. Somit ist hier also meistens wunderbares Wanderwetter. Und das war auch der Plan für diesen Tag.

Um in das Gebiet zu kommen, in dem wir wandern wollten, mussten wir erst einmal eine Schlucht überwinden. Praktischer Weise hatte dort jemand eine Kabelbahn (die sogenannten Tarabita) für uns über die Schlucht gebaut. Ich brauchte nur noch einzusteigen.

Während der Fahrt hatte ich eine tolle Aussicht auf die Schlucht mit ihrem Fluss und auf die steilen Hänge des Bergnebelwaldes zu allen Seiten.

Auf der anderen Seite angekommen, gab es insgesamt 15 Wasserfälle zu erwandern. Der erste und der letzte, die wir uns anschauten, waren dabei tatsächlich die Schönsten.

Zwischendurch ging es ganz schön steil hinauf und hinab. Auf den unbefestigten, glitschigen Wegen kamen endlich einmal wieder meine treuen Wanderschuhe zu ihrem ehrenvollen Einsatz.

Unterwegs begegneten uns einige Kolibris und Schmetterlinge. Die Tukan-Schwärme, von denen wir gelesen hatten, ließen sich leider nicht blicken. Aber wir wollen mal nicht meckern: Wir sahen sie schließlich jeden Morgen zur Stippvisite in unserem Garten.

Einen der Wasserfälle auf unserem Weg schwänzten wir, weil wir für ihn den Fluss hätten queren müssen und wir keine Lust auf nasse Füße hatten. Wir sprangen lieber über steinige Bachbetten, balancierten über schmale Stege und quetschten uns durch enge Schluchten.

Am Nachmittag senkte sich der Nebel bis hinunter zu uns und Nebelschwaden waberten gemütlich durch das Tal. Es fing auch an zu regnen. Da wir uns dem größten und höchstgelegensten Wasserfall näherten, war allerdings nicht ganz klar zwischen Regen, Wolken und Spritzwasser zu unterscheiden.

Auf dem Rückweg zur Tarabita trafen wir noch einen sehr schicken roten Specht. Als wir kurz vor Betriebsschluss zur Bahn zurückkehrten, lag das andere Ende des Kabels im Nebeldunst. Die Fahrt ins Ungewisse war ein kleines Abenteuer, weil wir unterwegs weder das eine noch das andere Ende der Bahn sehen konnten und auch der Talboden in Dunst gehüllt war. So schwebten wir wie durch Zuckerwatte (nur ohne die Kleberei). So eine stimmungsvolle Nebelfahrt wäre übrigens ein guter Beginn für eine Zombiegeschichte.

Nach der gut fünfstündigen Wandertour hatten wir uns ein ordentliches Abendessen verdient und das bekamen wir auch. Der Koch stellte extra für mich Hähnchenfilet mit Maracujasoße und Früchten zusammen und hat mich damit schwer begeistert.

Sollte ich jemals wieder nach Mindo zurückkehren, werde ich diesen Tag genau so wiederholen. Allerdings habe ich mir nachts im Halbschlaf noch großzügig Mückenspray ins Auge gesprüht. Danach war ich wieder hellwach. Alle anderen Gäste im Holzhaus wohl auch. War ne blöde Idee. Die Wiederholug dieser Erfahrung kann ich dann also getrost ausfallen lassen. Stattdessen dürfen sich die Tukanschwärme sehen lassen. Ohne Mückenspray im Auge kann ich die dann auch viel besser sehen.

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Dieser Artikel wurde inspiriert von der Aktion #12von12, bei der Blogger dazu aufgerufen sind, den 12 eines Monats mit 12 Fotos zu dokumentieren.

2 Responses

  1. Nicki

    Wenn es passt, wiederhole ich den Tag mit Dir. Liest sich und sieht so aus, als wäre es sehr lohnenswert!
    Und das Essen… mmmhhhh! ♥

    • die abenteuerliche

      Dich nehme ich bei der Wiederholung auch gerne mit. Oder wir denken uns etwas Neues aus. Im Köche-Überzeugen habe ich ja jetzt auch Übung.

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