Weltreise mit Gerinnungshemmern: Erfahrungen und Tipps

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Ja, Gerinnungshemmer zu nehmen und damit ein höheres Blutungsrisiko zu haben macht das Leben ein bisschen gefährlicher. Die Einnahme von Marcumar und Co. sollte aber niemanden daran hindern, die eigenen Träume zu verwirklichen und das Leben zu leben, das man führen will. Meine Lieblingsärztin sagte mir in diesem Zusammenhang einmal: „Wollen Sie nur noch Zuhause rumsitzen? Das ganze Leben ist ein Risiko.“ Und das habe ich mir zu Herzen genommen: Das Leben ist lebensgefährlich und es gehört mir.

Wenn man also als Gerinnungsgestörter den Traum hat, eine Weltreise zu machen: Los geht’s! Dabei gibt es dann zwar ein bisschen mehr zu beachten als für andere, aber egal – denn es lohnt sich.

Ich habe während meiner großen Reise fast alles gemacht, was mir Spaß gemacht hat und wozu ich Lust hatte. Worauf ich aus Gerinnungsgründen tatsächlich verzichtet habe, war Rafting. In einem Gummiboot einen wilden Fluss hinunterzuflitzen und dabei mindestens einmal ins Wasser zu fallen, in dem Felsen herumliegen, war mir dann doch ein zu großes Verletzungsrisiko.

Auf Reisen sollte man wegen der veränderten Lebensumstände regelmäßig und noch öfter als sonst den eigenen INR (quasi Gerinnungswert des Blutes) kontrollieren. Ich gehe davon aus, dass nur Gerinnungsgestörte auf die Idee einer Langzeit- oder Weltreise kommen, die ihren INR mithilfe eines entsprechenden Gerätes selbst bestimmen können. Das gibt es bei Langzeittherapie und persönlicher Eignung auf Antrag von der Krankenkasse. Ich habe meinen INR unterwegs zweimal die Woche bestimmt. Das war auch gut so, denn in Südostasien ist er (aus wie immer nur bedingt nachvollziehbaren Gründen) Achterbahn gefahren und ich konnte ihn so im Griff behalten. Seit ich in Australien angekommen war, hatte ich keinerlei INR-Probleme mehr und wurde etwas großzügiger mit dem Messen.

Welches Risiko ich voher tatsächlich unterschätzt hatte, war die Höhe: Während meines Aufenhalts in Cusco auf gut 3.400 Metern wurde ein Mitschüler meiner Sprachschule wegen einer Thrombose mit anschließender Embolie notversorgt. Das hat mich schlucken lassen. Aber da ich meinen aktuellen INR genau kannte, wusste ich, dass ich davor halbwegs sicher war.

Für alle Gerinnungsgestörten, die eine große Reise planen, hier mal meine Erfahrungen und Tipps als Checkliste. Dies ist natürlich kein medizinischer Ratgeber, sondern eher ein organisatorischer.

Checkliste für gerinnungsgestörte Weltreisende:

  • Werde dir des zusätzlichen Risikos bewußt, das du eingehst.
  • Besorg dir eine gute Auslandskrankenversicherung und halte ggf. die Anwartschaft bei deiner deutschen Krankenkasse.
  • Informiere dich so gut wie möglich über die medizinischen Gegebenheiten vor Ort. Notiere dir die Notfallnummern und mindestens ein internationales Krankenhaus. Das gibt ein Gefühl von Sicherheit.
  • Bastele dir Notfallausweise in der Landessprache (hier geht es zu meiner Sammlung) und trage sie zusammen mit einem Versicherungsnachweis (!) immer bei dir.
  • Kläre frühzeitig ab, wie du an den Medikamentenvorrat für unterwegs und die Hilfsmittel (Lanzetten, Teststreifen) kommst (mein Erfahrungsbericht aus der Reisevorbereitung). Ich hatte Tabletten, Teststreifen, Lanzetten, genügend Pflaster und Verbandsmaterial sowie kleine Ampullen mit flüssigem Vitamin K für den allergrößten Notfall dabei.
  • Prüfe die Einfuhrbedingungen der Länder, in die du reisen willst. Australien, zum Beispiel, erlaubt nur die Mitnahme einer geringen Menge Medikamente für den Eigenbedarf, Vietnam hat starke Einschränkungen. Nach langer Recherche und einem missglückten Versuch, die Medikamente anzumelden, habe ich es grundsätzlich aufgegeben, zumal Australien so weit am Ende meiner Reise lag, dass ich inzwischen in den erlaubten Limits lag. Ich hatte bei den Einreisen nirgendwo Probleme, bin aber sehr froh, dass ich vorher gut informiert war. Ich hatte mir außerdem von meiner Ärztin eine mehrsprachige Liste meiner Medikamte unterschreiben und stempeln lassen (hier das entsprechende Formular für ein ärztliches Attest).
  • Stelle unterwegs die Kühlung der Teststreifen und der Ampullen sicher. Ich habe dafür einen Thermobecher genutzt und die einzelnen Packungen jeweils in Alufolie eingewickelt. Da ich den Becher zwischendurch immer mal in den Kühlschrank stellen bzw. in einem klimatisierten Raum übernachten konnte, ist die Temperatur im Inneren (Kühlschrankthermometer) nie über die für die Teststreifen kritischen 30 Grad C gestiegen. Die gewünschten 24 Grad C für die Ampullen konnte ich allerdings nicht halten.
  • Und nach all der guten Vorbereitung: Entspann dich. Dieses Leben gehört dir.

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