Australischer Blödmenschen-Test

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Wenn ich in Deutschland unterwegs bin und Menschen im Herdentrieb beobachte, denke ich mir oft: „Typisch deutsch“ und frage mich dann manchmal, ob andere Nationen Dinge besser geregelt bekommen als wir. In Australien hatte ich jetzt die perfekte Gelegenheit für eine kleine Feldstudie: Sind Australier*innen die besseren Menschen?

Es begab sich auf einem Inlandsflug von Perth nach Adelaide. Der Flieger hatte 40 Minuten Verspätung, so dass es für die 17 Reisenden mit Anschlussflug nach Alice Springs mit einer regulären Umstiegszeit von 50 Minuten sehr, sehr knapp werden würde. Deshalb hatte der Kapitän bereits mit dem Wetterbericht darum gebeten, dass nach der Landung alle Passagiere sitzen bleiben sollten, um den Alice Springs-Reisenden den Vortritt zu lassen. Wir Deutschen sahen uns an und grinsten: Jetzt wurde es interessant. Würden unsere australischen Mitreisenden das hinbekommen, was wir unseren eigenen Landsleuten in so einer Situation nicht zutrauten?

Nach der Landung wiederholte die Stewardess die Bitte: Alle sitzenbleiben, außer den 17 Passagieren nach Alice Springs. Und kurz nachdem die Anschnallenzeichen erloschen waren, bat der Kapitän auch noch einmal darum.

Wir drei wollten nach Alice Springs, standen also so bald wie möglich im Gang bereit. Der Gang vor uns war schon gut gefüllt und ohne uns die Zeit zum Nachzählen zu nehmen, vermuteten wir, dass hier mehr als 14 andere Leute bereitstanden. Und tatsächlich: Die vor uns Gehenden wirkten nicht sehr in Eile und als die Dame vom Bodenpersonal jeden aussteigenden Passagier fragte: „To Alice Springs?“, schüttelten alle vor uns Gehenden den Kopf und schlurften weiter. Wir nickten und wurden umgeleitet – und ich war erleichtert und ernüchtert.

Erleichtert, weil wir den Anschlussflug dank guter Logistik noch erwischt hatten und ernüchtert, weil dieses wunderbare kleine Experiment zeigt, dass wir Menschen auf der ganzen Welt anscheinend gar nicht so verschiedenen sind, wie ich das manchmal gerne hätte.

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Danke an StelaDi für das Coverbild (via pixabay).

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