Als ich mal von der australischen Polizei angehalten wurde

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Es steht noch eine weitere Geschichte meiner großen Reise aus, die ich bisher hier nur angerissen habe. Dabei ist es eine gute Geschichte. Vielleicht wollte ich sie mir deshalb als Zugabe für den Weltreiseabend aufsparen? Aber daraus wurde nichts, denn die Geschichte kommt aus Australien und um Australien habe ich an jenem Abend einen großen Bogen gemacht. Da ich jetzt aber nach Australien zurückkehren werde, wird es Zeit, die Geschichte zu teilen, in der Hoffnung, dass ich daraus gelernt habe.

Es war an meinem letzten Morgen im Outback. Ich hatte in den vorangegangenen Tagen schon mehrere hundert Kilometer in meinem schicken roten Flitziauto zurückgelegt und war nun auf dem Rückweg vom Uluru zum Hotel, um von dort weiter zum Flughafen zu fahren, wo ich mich von meinem Auto trennen sollte, um nach Sydney zu fliegen. Am Uluru hatte ich an einer Führung teilgenommen, von der ich mich schlecht hatte losreißen können und so war ich zwar immer noch früh genug, aber dennoch zehn Minuten nach meinem eigentlichen Zeitplan aufgebrochen. Jetzt nur noch schnell Koffer holen, auschecken und zum Flughafen flitzen. Die Straße war leer, die meisten anderen Touristen schon oder noch nicht am Uluru. Das Auto, das mir entgegen kam, war also ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher fand ich, dass es ein Polizeiauto war, wie ich feststellte, als wir aneinander vorbeifuhren. Vielleicht waren die Polizist*innen auf dem Weg zu einem Einsatz, aufregend. Und in der Tat: Ich sah im Rückspiegel, dass sie das Blaulicht anschalteten. Und drehten.

Kurze Zeit später waren sie hinter mir und geboten mir links ranzufahren. Ach, du Alarm … Ich hoffte, dass ich es nicht noch schlimmer machte, wenn ich hier mitten im Schutzgebiet links über die durchgezogene Linie auf den Seitenstreifen fuhr. Keine Ahnung, wie ich mich verhalten sollte. So tat ich, was ich in den USA getan hätte: Ich hielt schnellstmöglich an, schaltete den Motor aus, blieb still sitzen, Hände auf dem Lenkrad. Eine Frau und ein Mann kamen zu mir und begrüßten mich. Ich sei da grade ein bisschen viel zu schnell gefahren, informierten sie mich. Ähm, ja, dieser Verdacht war inzwischen auch schon in mir aufgekommen. Hier sei 60, ich sei aber über 70 gefahren, teilten sie mir mit. Upsi. Das mit dem 60 erstaunte mich tatsächlich etwas, hatte ich als letztes doch ein 80er-Schild wahrgenommen und mich mit Mitte 70 auf der sicheren Seite gefühlt. Aber jetzt, da sie es sagten, meinte ich auch, mich an ein weiteres Geschwindigkeitschild vor gar nicht weit weg zu erinnern … Tja, und da stand ich nun. Ich wusste, dass Speeding in Australien teuer war und hoffte nur, dass die Polizei auch Kreditkarten akzeptierte (bestimmt, war ja schließlich Australien hier), aber da die beiden einen entspannten und freundlichen Eindruck machten, blieb ich auch erstmal locker.

Die Polizistin bat mich um meinen Führerschein. Der steckte allerdings in meinem BH-Safe. Der Polizist drehte sich diskreter Weise weg, während ich mir in den Ausschnitt griff. Ich schwöre, ich sah den Polizisten durch seinen Hinterkopf hindurch grinsen. Die Polizistin fragte mich, warum ich hier sei, wo ich herkäme und wohin ich unterwegs sei. Ich erklärte, ich sei ein paar Tage von Alice Springs aus mit dem Auto unterwegs gewesen und jetzt auf dem Weg zum Flughafen, um das Auto zurückzugeben und weiterzufliegen. Sie fragte noch nach ein paar Details meiner Route und ich hatte das Gefühl mich zu wiederholen, weil ich nicht wusste, worauf sie hinauswollte. Dann redeten wir noch eine Weile über mein Vergehen und den Sinn von Geschwindigkeitsbeschränkungen; dabei musste ich mich nicht anstrengen, um zerknirscht zu sein.

Und dann geschah, was wohl in keinem anderen Land meiner Reise hätte geschehen können: Sie beließen es bei einer Ermahnung. Wir einigten uns darauf, dass das meine vorerst letzten Minuten als Autofahrerin auf australischen Straßen seien und ich künftig besser aufpassen solle. Sie wünschten mir eine gute Weiterreise, sahen mich noch einmal streng an – und ließen mich fahren.

Gerne hätte ich sie abgeknutscht! Kopfschüttelnd und erleichtert auflachend fuhr ich weiter – in angemessenem Tempo natürlich. In allen anderen Ländern meiner Reise hätte solch ein Vergehen zu Schmiergeldzahlungen geführt oder wäre sonstwie unangenehm geworden. Nicht so in Australien, das Land, das mich mit offenen Armen empfangen und so reich beschenkt hatte. Wenn man sich mal nicht an die Regeln halten sollte und dann auch noch dabei erwischt wird, dann doch bitte hier.

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