Australien: Abreisegedanken

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Australien, mein Atemholen. Ich erinnere mich kaum daran, so überbordend glücklich und unbeschwert gewesen zu sein wie hier. Ist es weil ich meine Reisekrise (Thailand) und ein paar Wehwehchen (Indonesien) überstanden habe, weil mir die Kultur so vertraut und gleichzeitig so fremd ist, weil es seit meiner Schulzeit ein unerreichbarer Ort schien, weil ich endlich wieder mit Menschen reden kann oder weil Australien einfach Australien ist? Nach sieben Monaten in fremden Kulturen fühlt sich dieses Land nach Heimat an. Und das schon in den allerersten Minuten.

Und das geht auch so weiter: Ich fahre wieder Auto, gehe in Buchläden und plaudere mit – ach, eigentlich allen. Ich liebe den öffentlichen Nahverkehr, zelebriere Supermarktbesuche, hole mir Pizza und feiere fast jeden Abend ein Picknick in meinem Hotelzimmer. Die dicken, weichen Betten, die sauberen, flauschigen Teppichböden, die üppige Ausstattung, der Wasserkocher, in den ich einfach Leitungswasser füllen und mir einen Tee kochen kann, Fernsehprogramm, das ich verstehe – all das fühlt sich nach Zuhause an. Zwar erscheint mir alles auf eine merkwürdige Art ohne Tiefgang, oder ist es einfach nur ein bisschen zu vertraut? Ich mache mir keine Sorgen um Malaria, Zika oder Dengue und esse zum ersten Mal seit langem Salat, genieße Käse und trinke plastikfreies Wasser dazu. Wie wunderbar langweilig.

Ja, Australien ist teuer. Furchtbar teuer, wenn man aus Südostasien kommt. Aber ich hatte immer das Gefühl, auch etwas Ordentliches für mein Geld zu bekommen. Das könnte auch daran gelegen haben, dass die Australier mir gegenüber großzügig waren: zum Mietauto gab es am Schalter unbegrenzte Kilometer dazu, die Rezeptionistin organisierte mir den allergünstigsten Frühbucherpreis für meine spontan gebuchte Verlängerungsnacht, im Uluru-Hotel bekam ich das teure Frühstück dazu geschenkt. Als ich an meinem letzten Tag im Outback von der Polizei angehalten wurde, machte ich mir also gar keine Sorgen und tatsächlich: Wir waren alle freundlich zueinander und schon durfte ich weiterfahren.

Zugegeben: Australien stand eigentlich nur auf meiner „Wäre mal schön, muss aber nicht sein“-Liste. Als dann klar war, dass ich sowieso durch Australien muss, um nach Tonga zu kommen, habe ich mir nur die Ziele vorgenommen, von denen ich als Jugendliche geträumt hatte. Dass mich Australien so begeistern würde, hatte ich nicht erwartet. Sowohl das Outback, als auch Sydney und die Blue Mountains haben es auf die „Muss ich Mama zeigen“-Liste geschafft. Bei meinem nächsten Besuch werde ich dann hoffentlich auch herauszufinden, ob mir Australien immer noch so gut gefällt, wenn es mir nicht Ersatzheimat sein muss.