Der Puls Europas in Südostasien

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Auf einem der Tempel Bagans kam ich mit einem etwa gleichaltrigen Typen ins Gespräch und wir plauderten ein bisschen über unsere Reiseerfahrungen. Da ich seinen Akzent nicht einordnen konnte, fragte ich ihn irgendwann aus linguistischer Neugier, woher er eigentlich sei. „Brighton, England“, bekam ich zur Antwort. Dann fragte er mich, woher ich sei. Deutschland. Oh, meinte er, dann wolle er gleich mal feststellen, dass er gegen den Brexit und für „remain“ gestimmt habe und dass das Verhalten seiner PolitikerInnen und die Einstellung der einen Hälfte seiner Mitbürger ihm sehr peinlich seien. Er sei nicht so wie die. Er liebe die europäische Idee und sehe sich als Europäer.

Das ließ mich erst einmal perplex schweigen. An Politik und Brexit hatte ich in dem Moment ausnahmsweise gar nicht gedacht, sondern mich über seinen Akzent gefreut. Selbst wenn ich daran gedacht hätte, wäre ich davon ausgegangen, dass jeder Brite meines Alters, den ich in der Nebensaison auf dem Dach eines Tempels in Bagan treffe, sowieso für Europa gestimmt hat.

Bereits zwei Tage zuvor hatte ich ein leidenschaftliches Europa-Gespräch mit einer Französin und einem Polen geführt, das in dreifache Liebeserklärungen ausartete. Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich Gänsehaut: ausgerechnet BürgerInnen aus Frankreich, Deutschland und Polen reden in der Ferne über ihre gemeinsame Identität als Europäer. Nach all dem, was uns hätten spalten sollen.

Diese Französin und ihr Freund haben übrigens dafür gesorgt, dass ihre Stimmen für die diesjährige Präsidentschaftswahl in der Wahlurne landen, auch wenn sie fernab der Heimat sind. Sie wissen: Es kommt auf jeden von uns an, wenn wir die europäische Idee von Frieden, Freundschaft und Zusammenarbeit nicht sterben lassen wollen.