Handeln und ich – ein Friedensangebot

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Endlich habe ich verstanden, warum mich diese Abzockversuche in Kambodscha und hier in Vietnam so fertig machen. Es ist nicht das Geld, das ich zahlen soll. Und ich verstehe, dass Handeln eigentlich ein Spiel ist, bei dem ich eine feste Rolle habe. Aber es ist noch so viel mehr.

In Nepal gab es Preise für Nepalis und höhere Preise für alle anderen. Das war transparent. Das war nicht verhandelbar. Fertig. Das konnte ich als gegeben hinnehmen, zumal mir sehr bewusst ist, dass ich finanziell reicher bin, als viele der Menschen, denen ich auf meiner Reise begegne.

Ganz anders hier in Südostasien: Da sind alle Preise für Touristen Fantasiepreise und im besten Fall verhandelbar. Jeder Geldtransfer ist auf maximalen Profit fokussiert. Das hinterlässt immer dieses ungute Gefühl, abgezockt und ausgenommen zu werden, nur eine wandelnde Geldbörse zu sein. In Kambodscha hat es mich so richtig genervt. Hier in Vietnam versuche ich, meinen Frieden damit zu machen.

Was mich dabei so stört, ist, dass mir damit ein Weltbild aufgezwungen wird, das nicht meins ist. Eine Welt in Klassen, in Schubladen. Und ich gehöre zu der Klasse, die zu bezahlen hat, die es sich leisten kann, ausgenommen zu werden. Schublade zu. Die „Ausnehmer“ selbst sehen sich in einer ganz anderen Kategorie Mensch. Ob diese jetzt besser oder schlechter ist, sei mal dahin gestellt, aber die Grenzen sind unüberwindbar. Und das ärgert mich und passt nicht in meine Sicht von Menschen.  

Ich frage mich, wie sich das anfühlt, so zu leben, immer in „wir und die“ zu denken. Eine vietnamesische Bekannte erzählte mir, dass in Vietnam nicht nur die Touristen einen höheren Preis zahlen müssen, sondern auch die Vietnamesen, wenn sie ihre Heimat verlassen. Das beruhigt mich ja fast irgendwie. Es geht hier in Vietnam also nur ums Geld und nicht gegen mich.

So wenig ich Handeln inzwischen scheue und meine Taktik der „Iron Lady“ täglich verbessere, so sehr sehne ich mich doch nach Preisschildern und Gleichberechtigung. Deshalb gehe ich gerne in Supermärkten. Auch wenn ich dort am Ende vielleicht mehr bezahle, finde ich die Transparenz entspannend und weiß genau, dass an der Kasse keine bösen Überraschungen auf mich warten und alle denselben Preis bezahlen. Es tut gut, zwischendurch einfach mal wieder in die klassenlose Gleichheit abzutauchen. Zu klappt es danach auch wieder mit dem Handeln.