Im Berlin Museum in Bangkok

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An meinem ersten Morgen in Bangkok war ich ziemlich schlecht gelaunt. Bangkoks Metro ging mir auf die Nerven und obwohl ich die Stadt eigentlich schon mochte, hatte ich so gar keine Lust auf sie. Brummig erwischte ich auch nur die langweiligen Straßen und fand den Weg zu meinem Ziel eh viel zu weit.

Mitten in Chinatown ließ mich ein Schild plötzlich abrupt stehenbleiben: Berlin Museum, 84. Jahrestag Feier 2016. Was konnte das wohl sein? Städtepartnerschaft? Ein Fan-Museum? Irgendetwas mit Wiedervereinigung – ach, nee, 84 Jahre … Was war denn damals los? Nach kurzem Zögern betrat ich das Gebäude – ich hatte ja eh nichts Besseres vor. Drinnen war es ganz still. Der Pförtner war offensichtlich erstaunt, mich zu sehen. Ich blickte mich um, wurde aber nicht so ganz schlau aus dem, was ich sah, und wendete mich an den Pförtner.

Es stellte sich heraus, dass Berlin ein thailändisches Pharmaunternehmen ist und ich hier in ihrem funkelniegelnagelneuen Unternehmensmuseum stand, das zu Ehren des Gründers eingerichtet worden war. Pharmaunternehmen, aha. Und Eintritt wollten sie auch noch von mir. Das fand ich auf Anhieb erst einmal alles nicht so sexy und überlegte, wie ich höflich wieder gehen könnte, als ich die Enttäuschung in den Augen des eifrigen Pförtners sah. Ach, was soll’s? Vielleicht konnte das ja ganz interessant sein, sagte die Kulturwissenschaftlerin in mir. Kurzentschlossen änderte ich den Plan und kaufte mir ein Ticket. Der Pförtner war davon genauso überrascht wie ich.

Ich studierte aufmerksam die ersten Plakate, die sowohl auf Englisch als auch auf Thai waren. Ich erfuhr, dass der Gründer in China westliche Medizin studiert hatte und dort einen deutschen Lehrer gehabt hatte, zu dessen Ehren er seine spätere Firma Berlin nannte. Als ich die Bilder der Eltern des Firmengründers anschaute, trat ein Herr mit einem Zettel in der Hand auf mich zu. Er began, mir in bemühtem Englisch etwas zur Firmengeschichte zu erzählen – und mir ging das Herz auf. Eine Privatführung, wie wunderbar.

Und tatsächlich: Er führte mich durch die Ausstellung und wies mich auf die Highlights hin: die Betelnuss-Dose des Gründers, eine mechanische Pillenpresse, einen alten Lastenaufzug, denn schließlich, so lernte ich, befanden wir uns im Stammhaus des Unternehmens.

Der Firmengründer sei eigentlich passionierter Arzt gewesen, hier im schwierigen, armen Chinatown, und die Firma sei quasi nur zufällig dazugekommen, um den Bedarf der Patienten zu stillen, lernte ich. Ein Pionier der westlichen Medizin in Thailand.

Mein persönlicher Museumsführer war sehr bemüht mir alles zu erklären. Er kämpfte sich durch schwierige Worte und Zusammenhänge, war stolz, als er die Jahreszahlen umgerechnet hatte und gab sein Bestes, meine Detailfragen zu beantworten, die mir ganz von alleine einfielen. Den Abschlussfilm, der nur auf Thai war, wollte ich gleich zweimal sehen, damit ich die modernen Produktionsprozesse verstehen konnte.

Als ich das Museum verließ, merkte ich, dass ich fantastische Laune hatte. Einerseits hatte ich während der gesamten Führung aufmunternd und interessiert gelächelt und genickt, so dass mein Gehirn sich anscheinend hatte überzeugen lassen, dass ich gut gelaunt sei. Andererseits waren alle Angestellten hier so bemüht und sichtlich stolz gewesen, mir etwas über ihr Unternehmen erzählen zu dürfen. Und das begeisterte mich gleich mit. Außerdem hatte ich mich mit einem für mich ganz neuen Thema beschäftigt und das tut meinem Hirn immer gut.

Ich kann das Berlin Museum Bangkok also wärmstens empfehlen. Es wirkt umgehend gegen schlechte Laune, ganz ohne Pillen.