Peruanisches Essen

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Montags gibt es in Peru Linsen. Das sorgt für Wohlstand und Gesundheit. Aus demselben Grund trägt man am Neujahrstag Linsen in der Hosen- oder Rocktasche spazieren. Natürlich gab es auch bei uns im Tal der Inkas am Montag Linsen. Und am Donnerstag Meerschweinchen (cuy). Dafür gibt es keinen traditionellen Grund, das Mittwochsgrillen ist nur aus irgendwelchen Gründen verschoben worden.

Schon seit Tagen hatten wir Witze darüber gemacht und dann wurde es ernst. Außer einer Hardcore-Landwirtstochter hatten wir alle beschlossen, nicht so viel darüber nachzudenken, was wir da probieren wollten. Da es allerdings auf dem Feuer gegrilltes Cuy gab, das noch sehr nach Meerschweinchen aussah, gab es kein Entrinnen vor der Wahrheit. (Achtung: Foto!)

Meerschweinchen schmeckt übrigens ähnlich wie Hähnchen und hat auch ein ähnlich streifiges Fleisch, habe ich festgestellt. Eigentlich sollte man meinen, Meerschweinchen sei ein armer Leute Essen – denn schließlich lassen sie sich leicht halten und an so einem Cuy ist auch nicht viel dran. Aber dem ist nicht so: Cuy gibt es in Peru nur zu besonderen Gelegenheiten.

Peruaner sind auch große Fans von Kohlenhydraten. Zum Frühstück gibt es etwas, das ich zum ersten Mal seit Monaten als hohle Brötchen durchgehen lassen würde. Mittags und abends fanden sich auf unseren Tellern oft mindestens zwei verschiedene Kohlenhydratlieferanten: Kartoffeln mit Reis, Kartoffelspalten und schwarzes Quinoa oder Pommes mit Kartoffelbrei.

Überhaupt Kartoffeln: Die kommen nicht nur aus den Anden, nein, sogar aus Peru – wenn man den diversen Guides Glauben schenken darf. Und es gibt in Peru angeblich über 3.000 verschiedene Sorten. Trotzdem ist hier Pizza auch irgendwie hip.

Zwei der regionalen Spezialitäten um Cusco sind Ají de Gallina, eine gelbe Hähnchensoße, und ein Eintopf aus Schweinefleisch, Kartoffelspalten und Paprika, dessen Namen ich leider vergessen habe, der aber sehr lecker schmeckt. Auf einem normalen Touristenmenü steht landesweit außerdem Alpacafleisch in verschiedensten Variationen, aber stets gut. So aß ich in Cusco eines der leckersten Abendessen dieser Reise.

Neben unseren Pseudo-Brötchen bekamen wir zum Frühstück oft frisch gepressten Fruchtsaft (gerne mit Papaya), Avocado bzw. Guacamole und ein schleimartiges Getränk aus Milch, Wasser, Zucker, Zimt und Quinoa oder Bohnen. Das, so sagte man uns wiederholt, sei gut zum Lernen. Zum Glück war es auch ganz gut zu trinken. PeruanerInnen essen zum Frühstück auch gerne eine reichhaltige Suppe und Fruchtsäfte kann man den ganzen Tag über genießen.

Apropos trinken: Peru ist das Land des Pisco Sour und so übten wir uns nicht nur im Trinken, sondern auch in der Zubereitung dieses Cocktails. Außerdem trinkt man hier viel frisch aufgebrühten Coca-Tee, der dem Körper hilft, mit der Höhe klarzukommen, und Chicha, ein aus Mais hergestelltes Getränk, das es mit und ohne Alkohol gibt.

In Peru ist auch Inca Cola schwer angesagt, ein gelbes Gebräu, das nach Kaugummi riecht und viel weniger süß schmeckt als erwartet. Ich ziehe Inca Cola jederzeit einer schwarzen Cola vor. Damit bin ich allerdings die Touri-Ausnahme: PeruanerInnen trinken die gelbe Brause auch gerne, Westler hingegen gehen ihr eher aus dem Weg.

Woran allerdings kein Weg vorbeiführt ist peruanische Schokolade, Peru ist nämlich der zweitgrößter Produzent von Öko-Kakaobohnen weltweit. Nach ausführlichem Test finde ich peruanische Schokolade am allerbesten in ihrer fruchtigen Fondueform (s.o.). In Peru entdeckte ich außerdem meine Liebe für Grenadillas, eine Passionsfrucht, die ähnlich wie eine Maracuja schmeckt, aber eigentlich doch viel besser, und die ich auf dem Markt tapfer und erfolgreich auf Spanisch gekauft habe.

Wenn es all diese Berge, Tiere, Bäume, Bewohner und Inkaruinen nicht gäbe, so wäre Peru trotzdem auf jeden Fall eine kulinarische Reise wert.