Roadtrip durchs Outback

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Klar hatte ich schon Fotos vom australischen Outback gesehen; Worauf mich aber niemand vorbereitet hat und was mich dort fast zu Tränen rührte, waren die Farben! Braun, schwarz, ocker, grün, blau, lila, rosa, gelb, orange und natürlich rot. Mittags schimmern sie fast pastel auf den Ebenen und Hügeln und abends leuchten sie so gewaltig, dass ich das Farbflimmern in der warmen Luft fast glaubte anfassen zu können.

In der Theorie hielt ich das Outback, das rote Zentrum Australiens, für einen menschenfeindlichen, lebensfeindlichen Ort. Aber schnell stellte ich fest, dass es hier wie fast überall ist: Es lässt sich gut leben, wenn man weiß wie. Und die Aborigines wissen das seit Tausenden von Jahren.

In dieser Wüste sind Trockenheit und Dürre Jahr für Jahr quasi garantiert. Die harten Lebensbedingungen erfordern Kreativität und schaffen ungewöhnliche, starke Überlebenskünstler. Außerdem ist die Wüste durchzogen von unsichtbaren, unterirdischen Lebensquellen, die sich als „Band des Lebens“ durch die Trockenheit ziehen. In einem Infocenter las ich: „Die Wüste ist süß und reich, wenn du weißt, wie du ihre Schätze sammelst.“ Das glaubte ich sofort.

Fünf Tage war ich mit meinem Auto in Tarnfarbe in den Weiten des Outbacks unterwegs und musste so oft anhalten, aussteigen und staunend diese Schönheit inhalieren. Ich sah die seltenen Schwarzfüßige Bergwallabie und war überwältigt von der Vielfalt und den Schwärmen bunter Vögel.

Ich besuchte Stanley Chasm zur Mittagszeit, wenn die Wände der engen Schlucht in der Sonne leuchten, und wanderte am Rand des King’s Canyons entlang. Zum Sonnenauf- und -untergang sah ich dabei zu, wie der Himmel sich verfärbte und die Sonne dem Land wieder nrue Farben entlockte. Nachts schaute ich in die Weite des Sternenhimmels über der Wüste. Als krönenden Abschluss meiner Tour erreichte ich an meinem letzten Nachmittag die Olgas und den Ayers Rock Uluru.

Die Anangu, die Ureinwohner dieser Gegend, bitten darum, dass man den Uluru nicht besteigt, weil er ihnen heilig ist und nur von bestimmten Mitgliedern ihres Volkes bei einer Zeremonie betreten werden sollte. Trotzdem klettern täglich dutzende, hunderte Menschen auf diesen Felsen. Das muss die Besitzer dieses Landes sehr verletzen und ich frage mich, wieso man überhaupt dort hinaufklettern darf, wenn es doch ein heiliger Berg ist. Andere heilige Orte in diesem Gebiete sind schließlich auch nicht zugänglich. In der Tradition der Anangu ist zwar jeder Mensch selbst verantwortlich für den Umgang mit den Informationen, die er erhält, dennoch könnte ganz zufällig das Geld eine Rolle spielen, das man für eine begleitete Tour auf den Uluru zahlen muss.

Lange haben die Anangu versucht, ihr Land wiederzubekommen, das ihnen genommen wurde. Heute stellen sie die Mehrheit im Gremium des Nationalparks. Sie treffen die Entscheidungen mit, die diese Gegend betreffen. Laut der Tafeln im Kulturzentrum heißen sie Besucher willkommen und sind gerne bereit das Land zu teilen. Was mich wundert ist, dass die einzigen Anangus, die ich getroffen habe, ärmlich gekleidete Frauen auf dem Marktplatz waren, die mich ansprachen, um mir ihre Bilder zu verkaufen. Alle MitarbeiterInnen in den Hotels und Restaurants waren Weiße oder Asiaten. Sogar die MitarbeiterInnen im Anangu-Kulturinformationszentrum und der Park-Ranger, dessen Führung ich lauschte, waren weiß. Mit dem Ausbildungsprogramm, das auf einem Plakat am Flughafen seine Erfolge preist, scheint es nicht weit her zu sein.

  1. Nicki

    Die Fotos geben sicherlich nicht annähernd die tatsächlichen Farben wieder, aber trotzdem ist es einfach wunder-wunderschön!! Ich verstehe gut, warum Dir fast die Tränen gekommen sind. Es hat mich auch sehr angesprochen!