Begegnungen in Ubud

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Ubud, Welthauptstadt aller Yogafans, Veganer und Sinnsuchenden. Ich bin hier nur aus vermeintlichem Zufall gestrandet und habe mich erstaunlicher Weise sehr wohl gefühlt. Vielleicht lag es an den Cafés und dem großartigen Essen. Vielleicht lag es auch an den offenen und freundlichen Menschen.

An einem Abend saß ich in einem Café, trank Kaffee, wartete auf mein frisch bestelltes Essen und schaute mir meine Fotos auf dem Laptop an, als mich der ca. fünfjährige Junge mit den braunen schulterlangen Locken vom Nebentisch ansprach. Ob ich auch Fotos von Hunden in meinem Laptop hätte. Ich verneinte, aber sagte, ich könne ihm Orang-Utans zeigen. Die wollte er gerne sehen, zumal er sie nicht zu kennen schien. Und er war begeistert: „Look, mommy. Mommy, look: U-rang-gators!“

Ob ich denn auch Löwenfotos habe? Und Giraffen? Und Elefanten? Ja, hatte ich alles zu bieten. Und Tiger? Nach einer kurzen Googleanfrage konnte ich ihm auch diese zeigen. Ein Foto fand er besonders toll und war sehr traurig, dass Mama fand, es wäre dann Zeit, dass Ocean und sie nach Hause gingen. „Send me the photo! Promise to send me the photo!“ rief er im Weggehen immer wieder durch das Café. Das Pärchen vom Nebentisch fragte mich interessiert, ob ich ihn denn gut kenne. Ich sagte, ich müsse ihn leider enttäuschen, denn ich hätte gar keine Kontaktdaten von ihm. Ich hoffte, er würde es morgen vergessen haben und kein Trauma davontragen.

Sein Platz wurde schnell neu belegt von einem mittelalten Mann mit amerikanischem Akzent. Warum ich denn da sei, fragte er mich, noch bevor er richtig saß. Ich wusste instinktiv, dass „weil ich Hunger hatte“ keine akzeptable Antwort gewesen wäre. Also sagte ich, ich sei zufällig dort, obwohl ich eigentlich nicht an Zufälle glaube. Und fragte ihn, warum er denn hier sei.

Er erzählte mir, er sei ein Suchender und seine Aufgabe sei es, den Weg zum Himmel auf Erden zu finden. Okaaaay … Während ich meinen Salat aß, plauderte er ein bisschen weiter über Magie, Achtsamkeit, Yoga und den Sinn des Lebens. Dabei erfuhr ich, dass Orte magisch sind, wenn ich mich dort magisch fühle, und dass Blockaden ihm lange die Sicht darauf versperren hätten, dass er getragen sei vom Universum. Jeder sei nämlich getragen vom Universum, darauf solle ich mal ganz schnell vertrauen. Und es gäbe einen Sinn im Leben, auch wenn ich das bestimmt nicht glauben könne. Und jeder habe eine Aufgabe im Leben. Er sei seit fünfzehn Jahren ein Suchender und wisse nun, dass es der Sinn in seinem Leben sei, andere auf ihrem Weg zur Erkenntnis zu unterstützen. Er habe deshalb eine Webseite aufgesetzt und ein paar Bücher geschrieben. Könne ich mir ja mal ansehen.

Als der Sinnsuchende einmal zwischendurch zum Tresen ging, sprach mich die junge Dame vom Tisch nebenan wieder an. Ob ich ihn denn wenigstens kennen würde. Nee, aber ich scheine heute interessante Menschen anzuziehen, sagte ich, halb ironisch. Oh, wie schön für mich, freute sich die Frau, meine Ironie gar nicht bemerkend. Ubud sei ja auch ein wirklich spiritueller Ort; ganz krass, was hier alles für Kräfte wirken. Aso. Na dann.

Nachdem sich der Sinnsuchende verabschiedet hatte, atmete ich dreimal tief durch. Es ist schon toll, wie viele Esoterikseminare, Selbst- und Sinnsuchen man überspringen kann, wenn man eine weise Oma, eine lebenskluge Mama und eine Schwester hat, die weiß, wo es langgeht. Ja, ich weiß schon mein Leben lang, dass ich getragen bin und ich habe schon oft erlebt, dass für mich gesorgt ist. Und meine Schwester hat mich mit der wichtigsten Aufgabe der Welt ausgestattet. Ganz ohne Suche. Und wegen all dem bin ich ein ziemlich großer Glückskeks. Gut, dass Ubud mich daran erinnert hat.

2 Responses

  1. Sonja

    Hach. Hach! 🙂 Das ging grad mitten ins❤️! :-* Danke für den tollen Text! ✨⭐?