Roadtrip Laos III: Land und Leute

Eingetragen bei: Asien, Laos | 0

Links reihen sich Gebirgsketten hintereinander, deren Gipfel sich in den Wolken verstecken. Eine Kurve später taucht rechts eine steile bewaldete Schlucht am Straßenabgrund auf, an deren Boden sich ein Bach schlängelt. Oder ist es schon ein Fluss? Das ist schwer zu beurteilen bei dieser Höhe. Wenige Kilometer später – ich habe mich noch gar nicht sattgesehen am Abgrund – öffnet sich die Schlucht unversehens zu einem Tal voller Reisfelder, in deren Wasser sich die Sonne und die Wolken spiegeln. Ich liebe Laos!

Dorfleben

An der Straße liegen immer wieder Dörfer, in denen die Menschen in Bambusflechtmattenhütten, Holzhäusern oder Steinhäusern wohnen, die manchmal auf Stelzen stehen. Einige Dorfbewohner schauen mir interessiert oder überrascht hinterher (ich habe meine Spiegel extra so eingestellt, dass ich es sehen kann). Manche Kinder winken. Ich winke begeistert zurück. Und lächele ununterbrochen. Wie auch nicht? Einerseits sehe ich mich noch immer als Botschafterin meiner Kultur und andererseits machen es mir dieses Land und die Menschen hier so verdammt einfach zu lächeln.

Mir fällt auf, wie unterschiedlich die Dörfer sind. Und dass entweder fast alle oder gar keins der Kinder in einem Dorf winken. Wenn die Frauen ihre traditionelle Tracht tragen, kann ich manchmal schon sagen, welche ethnische Minderheit dort. In einigen Dörfern sehe ich Webstühle, die ich aus den Museen kenne, quasi in freier Wildbahn stehen. Später werde ich noch erfahren, dass es dabei eher um Großaufträge als um den Eigenbedarf geht, aber fürs Erste finde ich mich in einer Welt, die ich für Kulturgeschichte gehalten hatte, die es aber anscheinend doch noch gibt. Ebenso wie Benzin, dass ich auch in der Abgeschiedenheit aus ganz verschiedenen Fässern und Zapfanlagen verkauft bekomme.

Infrastruktur

Am zweiten Tag meiner Tour ließ ich das Motorrad auf einen schmalen Kahn laden, der uns sechseinhalb Stunden den Nam Ou hinaufschipperte, zwischen hohen Felsen und brausenden Stromschnellen hindurch. Ich verdrehte verzückt den Kopf, um alles sehen zu können, und die Beine verdrehte ich mir auch gleich im engen Sitzraum. Mit im Boot waren auch zwei junge Laoten, die mir von ihrem Leben zwischen Luang Prabang und ihrem Heimatdorf erzählten. Vom Bootshaltepunkt gefühlt mitten im Nirgendwo aus hatten sie noch einen dreistündigen Fußmarsch querwaldein zu vor sich, obwohl eigentlich jedes Dorf in Laos inzwischen mit dem Motorrad erreichbar ist.

So weit lief ich die folgenden Tage auch nicht. Stattdessen fuhr ich über geteerte Straßen, matschige Pisten und holprige Wege, suchte eine bestimmte Brücke und wurde immer besser im offroad-fahren – obwohl ich mir ja nach meinem großen Bergabenteuer geschworen hatte, die Teerwege nicht mehr zu verlassen. Aber das fällt schwer in Laos.

Ich sah auch, wie die Menschen hier teilweise mit der Natur umgehen: Am Nam Ou werden Staudämme gebaut, die stark in die Natur eingreifen und deren Strom wohl eher China zu Gute kommen wird, als den Menschen hier. Außerdem werden große Schneisen in den Dschungel geschlagen, obwohl Abholzung hier eigentlich verboten ist. Das Holz wird einerseits für den eigenen Gebrauch verwendet oder auch verkauft. Tiere verlieren dadurch ihren Lebensraum und ganze Berghänge rutschen ab, weil ihnen das haltgebende Wurzelwerk der Bäume abhanden gekommen ist.

Tierwelt

Ich durchfuhr den Nationalpark mit einer der größten Tigerdichten in Südostasien und ich muss zugeben, dass mir beim Anhalten in diesem dicht bewaldeten Gebiet mulmig war – trotz der rationalen Einsicht, dass das ja totaler Quatsch ist.

Nie habe ich so viele verschiedene und bunte Schmetterlinge gesehen wie im Norden von Laos. Leider sind wohl ein paar von ihnen dem Sog meines Motorrads zum Opfer gefallen, mea culpa.

Laosliebe

Der Norden von Laos hat mir viel geschenkt: unvergessliche Begegenungen mit freundlichen, interessierten LaotInnen, glückliche Stunden in der überbordende Natur, fantastische Wokenberge am Monsumhimmel und die schönsten Sonnenuntergänge seit langem.

Ich habe gelernt, mich züchtig in ein Tuch gewickelt an heißen Quellen zu waschen, bin staunend durch fast magische Höhlen gewandelt, weiß jetzt, dass ich in Extremsituationen nicht panike und habe viel über das Leben in Laos erfahren. Nach 1.469 Kilometern Roadtrip durch den Norden dieses wunderschönen Landes ist meine Laosliebe offiziell besiegelt.